Sonntag, 14. April 2013

wie aus einer Verwunderung eine große Verwunderung wurde

Ich habe mich entschlossen diesen Eintrag komplett und bei Bedarf zu überarbeiten. Die Version vor der Überarbeitung ist hier zu finden.

  • 13. Februar 2013
Die ARD-Reportage "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" von Diana Löbl und Peter Onneken wird gesendet.
Bei Minute 2:15 ist eine E-Mail von "agnieszka lewandowska <workingatamazon@wp.pl>" an Frau Diana Höbl vom 19. Dezember 2012 zu sehen (s. eigener Screenshot vom 23. Februar 2013). Der Vollständigkeit und Baerierefreiheit halber sei der Text hier nochmals wieder gegeben:
"....Wir leben hier mit 150 Wanderarbeitern in einem heruntergekommenen und völlig abgeschiedenen Ferienpark. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist kilometerweit entfernt. Die Menschen werden zu siebt in eine kleine Hütte gestopft und im Keller des Restaurants abgefüttert wie die Schweine. 
Bitte berichten Sie, rufen Sie mich an."
eigener Screenshot vom 23. Februar 2013

  • 14. Februar 2013
Unter diesem Link wird ein Video online gestellt in dem an entsprechender Stelle zu hören ist: "Auf die Spur der Leiharbeiter bringt uns diese E-Mail. 'Wir leben hier mit 150 Wanderarbeitern in einem heruntergekommenen Ferienpark. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist kilometerweit entfernt. Die Menschen werden zu siebt in eine kleine Hütte gestopft und im Keller des Restaurants abgefüttert wie die Schweine.' Geschrieben hat sie uns dieser Busfahrer. Er fährt noch immer für Amazon und möchte unerkannt bleiben."

  •  23. Februar 2013
Mit der Frage, ob der Busfahrer tatsächlich "agnieszka lewandowska" als Pseudonym verwendet hat, schreibe ich an die angebene E-Mailadresse workingatamazon@wp.pl. Stand 15. April 2013 habe ich keine Antwort erhalten.
  • 26. Februar 2013
Einer Pressemitteilung des Hessische Rundfunks (hr) vom 9. April 2013 zufolge, schreibt die Rechtsabteilung des hr in einer Stellungnahme: "Dass eine Frau Agnieszka Lewandowska niemals als Leiharbeiterin bei Amazon beschäftigt war, ist richtig. Hierbei handelt es sich um eine Legende, derer sich die Autoren zum Schutz ihres Informanten bedient haben."

  • 15. März 2013
Ich schreibe an hzs@hr-online.de, die Adresse die auf der obiger Website der Reportage als "E-Mail an die Redaktion" ausgegeben ist, wieder die Frage ob der Busfahrer das Pseudonym verwendet hat. Ich erhielt unmittelbar danach eine automatische Eingangsbestätigung, aber Stand 15. April 2013 keine Antwort. 

  •  19. März 2013
Nach Angaben des hr, erlässt das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den hr, die es im untersagt das Zitat aus der E-Mail „Die Menschen werden […] abgefüttert wie die Schweine“ zu verbreiten.
  • 27. März 2013
Nach Angaben des hr, wird die einstweilige Verfügung dem hr zugestellt.

  • 28. März 2013
Auf dem ARD-YouTube-Kanal wird eine Version hochgeladen in der der Inhalt der E-Mail unkenntlich gemacht wurde (s. eigener Screenshot vom 15. April 2013). Zu hören ist jetzt nur noch: "Auf die Spur der Leiharbeiter bringt uns diese E-Mail. Geschrieben hat sie uns dieser Busfahrer. Er fährt noch immer für Amazon und möchte unerkannt bleiben."
eigener Screenshot vom 15. April 2013
 
  • 9. April 2013
Der Hessische Rundfunk veröffentlicht oben bereits erwähnte Pressemitteilung zu dem Thema.

  • 14. April 2013
Ich schreibe oben verlinkten Blogeintrag und leite meine Frage, die ich hzs@hr-online.de gestellt hatte, und einen Link zu dem Blogeintrag an die E-Mailadresse ponneken@hr-online.de von Herrn Onneken weiter. An diesem Tag und Stand 15. April ist auf der oben verlinkten Website der Reportage die E-Mail ebenfalls unkenntlich gemacht worden (s. eigener Screenshot vom 14. April 2013). Zu hören ist hier: "Auf die Spur der Leiharbeiter bringt uns diese E-Mail. 'Wir leben hier mit 150 Wanderarbeitern in einem heruntergekommenen Ferienpark. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist kilometerweit entfernt.' Geschrieben hat sie uns dieser Busfahrer. Er fährt noch immer für Amazon und möchte unerkannt bleiben."

eigener Screenshot vom 14. April 2013

  • 19. April 2013
Der hr veröffentlicht eine Pressemitteilung in der er schreibt, dass es dem Amazon-Dienstleister nicht mehr erlaubt sei, eine Stellungnahme des hr zu der Stelle in der Dokumentation "manipulativ verkürzt" wiederzugeben.

Drei Fragen bleiben:
  1. Warum zeigen die Autoren zum Schutz des Informanten einen erfundenen Absender anstatt, dass der tatsächliche unkenntlich gemacht wird?
  2. Welche Veränderungen (das Fehlen von Anrede und Grußformel lassen das möglich erscheinen) wurden an der E-Mail vorgenommen?
  3. Warum soll der hr nicht kritische Äußerungen einer Person wiedergeben dürfen, wenn es erkennbar nicht seine eigene ist?
  • 10. Mai 2013
Meine E-Mail an hr-pressestelle@hr.de vom 9. Mai 2013 wurde beantwortet. Die Antworten sind in Kursiv wiedergegeben.

1. Welche Veränderungen wurden an der ursprünglichen E-Mail vorgenommen?
In der E-Mail wurde lediglich der Name verändert, um den Informanten zu schützen. Um mit der Absicht des Informantenschutzes nicht – wie nun geschehen – den Verdacht der Manipulation zu nähren, wäre es sicherlich ratsam gewesen, auf die Verwendung eines geänderten Namens in dem Film ausdrücklich hinzuweisen.

2. Gab es Veränderungen (kleine Veränderungen mit eingenommen) am inhaltlichen Teil der ursprünglichen E-Mail?
Am inhaltlichen Teil der E-Mail gab es keine Veränderungen!

3. Erreichte die ursprüngliche E-Mail Frau Diana Höbl, bzw. den hr am 19. Dezember 2012 um 10:46 Uhr?
Die beiden verschiedenen Zeiten sind dadurch entstanden, dass sich die Autoren die E-Mail untereinander zugeschickt haben. Das ändert aber nichts am Inhalt der E-Mail und der Echtheit des Informanten.

4. Wer verschickte die E-Mail am 19. Dezember 2012 um 10:52 Uhr von der Adresse "workingatamazon@wp.pl" an Frau Diana Höbl?
siehe oben!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen