Freitag, 25. Oktober 2013

Der (Un)Sinn alle Namen bei Fahrtantritt des "frühesten" Reisenden eintragen zu müssen

Wie die Münchner tz in ihrer gestrigen Ausgabe schreibt, plant die Bahn zum Jahresende  das Bayern-Ticket dahin gehend zu ändern, dass jeder Reisende seinen Namen auf dem Ticket eintragen muss. Das finde ich grundsätzlich richtig und überfällig, wie ich vor knapp zwei Wochen geschrieben habe. Über die Details kann und sollte man sich nun streiten, da pro Jahr um die zwei Millionen Gruppen-Bayern-Tickets gekauft werden. Wie im letzten Blogeintrag schon angesprochen könnte man der Plficht alle Namen einzutragen gerecht werden, a) wenn jeder Reisende beim Antritt seiner Fahrt auf dem Ticket seinen Namen einträgt ("flexible Lösung"), oder b) wenn schon beim Antritt der Fahrt des Reisenden mit der weitesten Strecke die Namen aller Reisenden einträgt ("unflexible Lösung").

Wie eine solche unflexible Lösung aussehen kann, ist bei den Regelungen zum Schleswig-Holstein-Tarif (SHT) zu lesen. Dort heißt es zu der Kleingruppenkarte (die vom Prinzip her den Länder-Tickets entspricht) "Kleingruppenkarten sind nur gültig, wenn vor Antritt der ersten Fahrt in den dafür vorgesehenen Feldern Vor- und Zuname eines jeden Reisenden unauslöschlich eingetragen wurden." Weitere Regelungen sind "Jedes nicht genutzte Namensfeld ist durch einen Querstrich eindeutig zu entwerten." und "Ein späterer Zustieg ist zulässig, wenn die Person vor der erstmaligen Nutzung der Karte namentlich als ein Reisender auf der Karte eingetragen ist."
(PDF-Seite 15 http://www.nah.sh/assets/Uploads/2013-08-01TarifbestimmungenSH-TarifnahshoFA.pdf)

In diesem Blogeintrag soll der Unterschied (und den gibt es, auch wenn die Bahn ihn vielleicht nicht begreifen möchte - dazu später vielleicht mehr) zwischen dieser unflexiblen und der von mir in dem früheren Eintrag geforderten flexiblen Namenseintragung diskutiert werden. Dabei wird es um das Argumente der Flexibilität, Gerechtigkeit und des Preises gehen.

Für den nachfolgenden Abschnitt brauchen wir kurz die Preistabelle für ein Bayern-Ticket:
1 Person: 22€, 2 Personen: 26€, 3 Personen: 30€, 4 Personen 34€, 5 Personen: 38€

Ein Beispiel bei dem alles in Einklang mit den aktuellen Bedingungen des Bayern-Tickets ist:
Der Anton hat im Münchner Umland in Herrsching am Ammer See seine Verwandtschaft besucht und möchte zurück nach Nürnberg fahren. Anstatt sich ein Bayern-Ticket-Single für 22€ zu kaufen, überlegt er mit einer MVV-Einzelkarte für 7,80€ von Hersching zum Hauptbahnhof München zu fahren und dort bei einer 5er-Gruppe auf dem Bayern-Ticket für 38€/5 = 7,60€ mitzufahren, so zahlt er anstatt 22€ nur 15,40€. Selbst wenn er nur einen weiteren Mitfahrer finden würde mit dem er sich zusammen tun kann, wäre er mit 7,80€ + 26€/2 = 20,80€ immer noch billiger dran.
Da er aber eine gewisse Risikobereitschaft besitzt und erwartet mindestens drei Mitfahrer zu finden entschließt er sich aber letzten Endes schon in Herrsching ein Bayern-Ticket für 5 Personen zu kaufen und fährt alleine damit nach München, findet 4 Mitfahrer und zahlt nur 7,60€. Ob es jetzt die anderen Mitfahrer gerecht finden, dass er mehr vom Ticket hatte, aber genauso viel wie sie gezahlt haben, und ob sie deshalb nicht vielleicht einen niedrigeren Preis mit Anton ausmachen, ist erstmal deren Sache (genauso wie das Vertrauen in Anton, dass er das Ticket nicht schon mit anderen Reisenden genutzt hat und auch seinen Namen unauslöschlich eingetragen hat). Für die Bahn ergibt sich bei Betrachtung der Frage zur Gerechtigkeit keine andere finanzielle Situation (das Eingreifen der Bahn aus Gründen der Gerechtigkeit wird weiter unten diskutiert), da sie das Geld nur von Anton bekommt und der Geldfluss unter den Reisenenden sie nicht finanziell betrifft.

Der rechtliche Unterschied zwischen den Varianten ist, dass in der unflexiblen Variante es Anton nicht mehr möglich ist auf gut Glück in München nach Mitfahrern zu suchen, da er nicht mit lehren Namensfeldern fahren darf.

Finanziell ist der Unterschied, dass Anton das Einzelticket nach München kaufen müsste und ceribus paribus die Bahn als Gesamtkonzern 7,80€ mehr eingenommen hätte. Vielleicht möchte die Bahn sich diese Mehreinnahmen nicht entgehen lassen. Wenn die Bahn durch die Umstellung vom Status quo auf die Pflicht alle Namen einzutragen ein Verlustgeschäft fürchtet, sollte sie die Preise der Tickets anpassen, das erscheint mir vernünftiger und würde bei mir eine größere Akzeptanz finden als ein "unfreundliches", verkomplizierendes und unflexibles Ticket. "Unfreundlich", weil es Anton im Vergleich zum Status quo schlechter stellen würde und das ohne das es rechtlich notwendig wäre. "Verkomplizierend" weil Anton durch Absprachen (bspw. in Sozialen Netzwerken) doch wieder beim Status quo landen kann -weder Bahn noch Reisende hätte dabei etwas gewonnen, nur Anton und die anderen Reisenden hätten den zusätzlichen Organisationsaufwand. "Unflexibel" weil es in dem Fall, dass einer der vereinbarten Reisenden den Zug nicht kriegen kann (bspw. weil Bahn verspätet), nicht mehr möglich ist spontan einen anderen Reisenden auf dem Bahnsteig auf dem Ticket mitzunehmen.

Nun wie versprochen zur Gerechtigkeitsfrage (unterschiedliche weite Reisestrecken aber gleiche Beteiligung am Preis):
Die Frage stellt sich sowohl beim flexiblen als auch beim unflexiblen Eintragen. Beim flexiblen Eintragen wäre die Ungerechtigkeit aber größer; man könnte also die unflexible Regelung als Gerechtigskeitsmaßnahme von Seiten der Bahn sehen. Ich habe zugegebener maßen noch keine feste Antwort auf diese Gerechtigkeitsfrage, tendiere aber dazu zu sagen, dass der "frühe" Nutzer (Anton) tatsächlich prozentual sich stärker am Ticket beteiligen sollte, da er mehr Leistung in Anspruch nimmt - ein zu hoher Beitrag wirkt sich allerdings wiederum negativ auf seine Bereitschaft aus das Risiko zu übernehmen; weswegen die Mitfahrer ihre Forderung an Mehrbeteilgung wieder senken müssten...
Die Frage nach der Gerechtigkeit kann aber auch ohne vorherige Anfahrt mit dem Ticket sehr vertrackt werden. Man stelle sich verschiedene Situationen am Bahnhof vor, die man allgemein als ein Ultimatumspiel (https://de.wikipedia.org/wiki/Ultimatumspiel) sehen könnte. Die Ausgangslage: zwei Reisende (und sonst niemand) auf dem Bahnsteig: A könnte sagen "Ich zahle dir 4,01€ wenn ich bei dir auf einem 2 Personen Ticket mitfahren darf. Für B wäre das mit 21,99€ = 22 + 4 - 4,01€ billiger als das Bayern-Ticket-Single. Wenn er sich so verhält wie die meisten im Ultimatumspiel würde er das Angebot ablehnen weil er die Teilung der Kosten als zu ungerecht empfindet. Im anderen Extrem lehnt B die Angebote von A solange ab, bis A sagt er zahle 21,99€ an B - sofern A da überhaupt mitmacht! Da beide Extreme möglich aber wohl von allen als ungerecht empfinden werden hat ein gleichmäßiges Aufteilen meiner Erfahrung nach breite Akzeptanz. Teilweise habe ich erlebt, dass ein Reisender der das Ticket legal weiternutzt von sich heraus einem anderen Reisenden der das Ticket ebenfalls (aber weniger weit) gebrauchen könnte, einen Teil der Anschlussfahrtkosten zahlt. Ich glaube durch das subjektive Gerechtigkeitsempfinden ist es langfristig nicht möglich zu ungerechte Preise für die Mitfahrt auf dem Ticket zu finden. Wenn der früher Reisender sich nicht prozentual mehr an den Kosten des Tickets beteiligt (was er der Tendenz meiner Meinung nach sollte), stellt das zwar eine Ungerechtigkeit dar, die aber im Akzeptanz-Rahmen der anderen Reisenden liegt.
Ein Eingreifen von Seiter der Bahn um die "frühe Ungerechtigkeit" zu beseitigen und damit die Akzeptanz des (vielleicht gleichen, vielleicht sogar teureren - weil es keinen gibt der das Ticket schon genutzt hat und sich deshalb mehr an den Kosten beteiligt) Mitfahrpreises zu erhöhen halte ich bei den genannten Contras (Unflexibilität bei von weiterher Reisenden oder bei kurzfristigem Ausfall von Reisenden) für kontraproduktiv im Sinne der Akzeptanz.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen